Mars: Bewegung und Stillstand
Das letzte Jahr auf dem Roten Planeten war geprägt durch die «Free Spirit» Kampagne, mit der der Mars Exploration Rover «A» wieder flott gemacht werden sollte, sowie den vorübergehenden Ausfall des «Mars Reconnaissance Orbiter». Jetzt meldet sich die internationale Forschungsflotte und der Planet selbst eindrucksvoll zurück. Die Meldungen der letzten Zeit in einem Mars Spezial.

Ill.: Nasa, JPL / Caltech
Mars wurde vor einer Woche von der Erde auf ihrer Innenbahn überholt. Das ist gleichzeitig der Punkt, an dem sich die beiden Planeten am nächsten kommen – und unser Nachbar am Nachthimmel am hellsten ist, vergleichbar mit Sirius, dem leuchtendsten Fixstern am irdischen Firmament.

Nasa, JPL / Caltech / Cornell U.
In Bezug auf die Sonne steht der Rote Planet von uns aus gesehen in der entgegen gesetzten Richtung, Astronomen nennen dies Opposition. Und als ginge es um Politik läuft der Wandelstern in dieser Zeit rückwärts.
Vorwärts dagegen geht es nach wie vor für den Mars Exploration Rover «Opportunity». Er passierte kürzlich die 12-Meilen-Marke, fast zwanzig Kilometer. Geplant war eine Einsatzdauer von 90 Tagen und eine Wegstrecke von ein paar hundert Metern. Das ist jetzt sechs Jahre her – ein echter Langstreckenläufer ist er also. Und immer noch mobil. Seit November untersuchte er einen Felsbrocken, der von den Forschern Marquette Island getauft wurde (links). Wie die Analysen ergaben, stammt das etwa Basketball-große Stück Fels aus den Tiefen der Marskruste und wurde durch einen Asteroideneinschlag zur Fundstelle geschleudert.

Esa, A. Lutkus
Nicht so gut geht es «Opportunitys» Zwilling, «Spirit». Seit einem Dreivierteljahr steckt das Gefährt im lockeren Sand fest und alle Versuche, dieser Falle nach vorne oder hinten zu entkommen, gruben ihn nur noch tiefer ein. Das steuernde Jet Propulsion Laboratory der Nasa (JPL) machte aus der Not jetzt eine Tugend und erklärte den Rover zu einer stationären Forschungsplattform.
Notgedrungen in Bewegung sind die Orbiter der amerikanischen und europäischen Weltraumorganisationen, «Mars Reconnaissance Orbiter» (MRO) und «Mars Express» (MEX). Während es den Flugleitern gelang, ersteren aus seinem Sicherheitsmodus zurückzuholen, in den er sich selbst – möglicherweise nach Einschlägen von Mikrometeoriten – versetzt hatte, versah der zweite fleißig seinen Dienst. Und gab Anlass zum Feiern: mit dem Absolvieren seiner 7777. Umrundung des Planeten.

Esa / DLR / FU Berlin, G. Neukum
Zuvor gelang es «Mars Express», eine Szene festzuhalten, das noch nie eine Sonde vorher beobachten konnte – nämlich beide Monde des Roten Planeten, Phobos (vorne) und Deimos gleichzeitig. Diese kleinen Himmelskörper – vermutlich eingefangene Asteroiden von zwanzig beziehungsweise zehn Kilometer Durchmesser, waren dabei rund 12.000 und 26.000 Kilometer von der superhochauflösenden Optik des Raumfahrzeugs entfernt.

Esa / DLR / FU Berlin, G. Neukum
Diese neue Aufnahme von «Mars Express» zeigt einen Teil der Sirenum Senken («Sirenum Fossae») in den südlichen Hochländern. Die abgebildete Fläche hat rund 230 mal 130 Kilometer – die ungefähre Fläche Belgiens oder Brandenburgs. Hier sind eine Menge Krater und andere geologische Formationen unterschiedlicher Größen und Erosionsalter zu erkennen. Die High Resolution Stereo Camera liefert eine Auflösung von 29 Metern pro Pixel.

Esa, VMC Team
Mit einem anderen Instrument an Bord der gleichen Sonde wurde ein weiteres Ereignis erstmalig aufgefangen – eine Sonnenfinsternis auf Mars in Form des Schattens von Phobos, der über die Planetenoberfläche huscht. Eigentlich ereignet sich dies durch die Nähe des Marsmonds sehr häufig, der Körper – und damit auch sein Schatten – ist jedoch so klein, dass er leicht übersehen werden kann, wie diese Animation aus Rohbildern der Sonde zeigen. Die Auswertung ist der Aufnahmen ist derzeit noch im Gange.

Nasa, JPL / U. Arizona
Doch auch MRO beeindruckt wieder mit seinen Aufnahmen. Was aussieht wie Marswälder – besser gesagt: einzelne Baumgruppen – ist natürlich eine optische Täuschung. Marsstürme wehen den roten Staub am Nordpolarkreis zu Dünen auf. Beim beginnenden Marssommer führt sublimierendes Kohlendioxid zu Lawinen oder Erdrutschen, die den darunter befindlichen, dunkleren Basalt freilegen. Diese dicht nebeneinander liegenden Spuren interpretiert das menschliche Auge dann als einen Baumhain. So ähnlich erging es den Forschern vor hundert Jahren, die mit ihren Teleskopen am Erdboden vermeintliche Kanäle der Marsbewohner entdeckt zu haben glaubten.
Auch hier gilt wieder: im Zweifelsfall genauer hinschauen …






















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