Flieger, grüß mir die Sonne!
Auch wenn BMW beim Thema Brennstoffzellentechnik einen Rückzieher macht, steigt der Kurs der «mobilen Minikraftwerke». Aber auch die Photovoltaik hebt buchstäblich ab. Meldungen aus Forschung, Wirtschaft und Politik im Planet-Erde-Telegramm.

Die HB-SIA soll als erstes bemanntes Solarflugzeug die Welt ohne Treibstoff umrunden (Ill.: Solar Impulse)
— Schweiz: Zum ersten Mal erhob sich ein bemanntes Solarflugzeug in die Luft. Das «Solar Impulse HB-SIA» bestand seinen ersten Flugtest, als es rund 350 Meter weit einen Meter hoch über die Piste des Flughafens Dübendorf bei Zürich schwebte. Der Prototyp mit der Flügelspanne eines Airbus’ wiegt mit 1600 Kilogramm nur so viel wie ein Durchschnittsauto (WSA) —
— Planet Erde: Klimaschwankungen in der Nähe des Äquators weisen ein deutlich anderes Muster auf als die Klimaänderungen in Arktis und Antarktis. Die Ursachen für die Feuchtigkeitsvarianzen sind jahreszeitliche Effekte zyklischer Veränderungen der Erdumlaufbahn um unser Zentralgestirn, die wiederum die auf der Erde ankommende Sonnenstrahlung bestimmen. Um diesbezüglich das Regionalklima Ostafrikas zu untersuchen, wurden von einem Team des Deutschen Geoforschungszentrums die Ablagerungen im Challa-See, einem Kratersee am östlichen Fuß des Kilimandscharo analysiert (GFZ) —
— Weltmeere: Der Meeresspiegel könnte einer neuen Studie zufolge innerhalb dieses Jahrhunderts um bis zu 1,9 Meter und damit deutlich schneller als erwartet heben. Ein derart starker Anstieg wäre eine existenzielle Bedrohung vieler Küstenstädte und einer Reihe kleiner Inselstaaten, so das Ergebnis einer Arbeit von Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Martin Vermeer von der Technischen Universität Helsinki (MaMo / dpa) —

Ablagerungen im Challa-See, einem Kratersee am östlichen Fuß des Kilimandscharo, geben Aufschlüsse über das Klima der letzten 25.000 Jahre (GFZ)
— Planet Erde: Bis zum Jahr 2035 rechnet der Weltklimarat laut der Umweltstiftung NatureLife mit weltweit mehr als 200 Millionen Flüchtlingen, die aufgrund des Klimawandels ihre Heimat verlassen müssen. Deutschland müsste sechs Millionen von ihnen aufnehmen, wenn man sie gemäß der nationalen Anteile an der CO2-Produktion aufteilte (Spiegel / dpa) —
— Antarktis: Laut eines Berichts des Scientific Committee on Antarctic Research (SCAR) kann schmelzendes Eis aus der Südpolregion bis Ende des Jahrhunderts zu einem Anstieg der Meeresspiegel von bis zu 1,4 Metern führen. Zudem droht die Temperatur in diesem Zeitraum dort um drei Grad zu steigen (Dnews / dpa) —

Methanol-Brennstoffzelle «Energy for you» (Efoy) von SFC
— Weltmeere: An Bord von Handelsschiffen, die in einem regelmäßigen Turnus den Nordatlantik überqueren, erfassten Messgeräte kontinuierlich, wie viel CO2 das Meerwasser enthält. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die CO2-Aufnahme im Nordatlantik eine viel größere räumliche wie zeitliche Variabilität aufweist, als wir vorher vermuteten“, erläutert Tobias Steinhoff vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) aus Kiel, Mitautor der Studie. Das Programm verbessert so das Verständnis des globalen Kohlenstoffkreislaufs (scinexx) —
— Deutschland: 2009 entstanden zusätzliche Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 3000 bis 4000 Megawatt, wie das Fachmagazin «Photon» unter Berufung auf seine Jahresumfrage unter Netzbetreibern mitteilte. Der Zuwachs liege demnach weit über der Prognose des Bundesumweltministeriums. Die hierzulande insgesamt installierte Solaranlagenleistung hat wohl die Zehn-Gigawatt-Marke erreicht. Das entspreche in etwa der Stromproduktion eines Atomkraftwerks vom Typ Biblis A. Solarstrom dürfte demnach 2010 etwa zwei Prozent des deutschen Verbrauchs abdecken (Dnews / AFP) —
— Brunnthal: Die Firma Smart Fuel Cell (SFC) in der Nähe von München hat bereits über 15.000 lautlose und ungiftige «mobile Minikraftwerke» verkauft. Während Bootsfahrer erst langsam auf den Geschmack kommen, werden immer mehr Wohnmobile damit ausgerüstet. Die Methanol-Brennstoffzelle könne auch dem mit Wasserstoff betriebenen Pendant den Weg in den Massenmarkt ebnen, glaubt Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der Nationalen Organisation für Brennstoffzellentechnologie in Berlin (Zeit) —

Migreh Forest Reserve – Wiederaufforstung im Osten Sudans (GPFLR)
— Planet Erde: Der Mensch hat in den vergangenen beiden Jahrhunderten mehr als die Hälfte aller Wälder zerstört. Über eine Milliarde Hektar ließen sich einer neuen Untersuchung zufolge jedoch erfolgreich wieder aufforsten, das ist mehr als die Fläche Kanadas. Damit könnten der Atmosphäre bis 2030 insgesamt 70 Gigatonnen CO2 erspart bleiben, berichtete die Naturschutzorganisation Global Partnership on Forest Landscape Restoration (GPFLR). Ebenso viel spare eine Vermeidung der weiteren Waldzerstörung. Allein aus dem Verbrauch fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas gelangten 2007 rund 32 Milliarden Tonnen CO2 in die Luft (Dnews / dpa / fhg) —
— Südamerika: Der Schnee des Cerro Aconcagua in den Anden enthält gefährliche Schadstoffe. Polychlorierte Biphenyle (PCB) zählen zu den zwölf als «dreckiges Dutzend» bekannten organischen Giftstoffen, die durch die Stockholmer Konvention weltweit verboten wurden. Bis in die 1980er Jahre wurden sie in Transformatoren, Kondensatoren sowie als Hydraulikflüssigkeit und Weichmacher verwendet. Ein internationales Forscherteam wies diese giftigen und krebserregenden Chlorverbindungen in geringen Konzentrationen aus Proben vom höchsten Berg Amerikas nach (UFZ) —

Wasserstoff-BMW: "Was sind Visionen, wenn sie nur Visionen bleiben?"
— München: Im Ringen um den Automotor der Zukunft gerät der Wasserstoffantrieb ins Hintertreffen. Vor allem beim Premiumhersteller BMW wachsen die Zweifel am umweltfreundlichen Antriebskonzept. Deshalb werde der Feldversuch mit Luxuslimousinen, die mit Wasserstoff betrieben werden, nicht weitergeführt. “Es wird vorerst keine neue Wasserstoff-Testflotte geben”, sagte BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger dem Handelsblatt (golem) —
— Hamburg: Der Handel mit CO2-Verschmutzungszertifikaten lockt zwielichtige Kaufleute an. Bundesweit ermitteln derzeit Dutzende Steuerbehörden gegen dubiose Firmen, die den Handel mit den Papieren dazu nutzen, Steuern in Millionenhöhe zu hinterziehen, bestätigte der Leiter der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt), Hans-Jürgen Nantke, dem Spiegel —

Alle Rückkopplungen berücksichtigt (r.) könnte die regionale Erwärmung bis zu 10 Grad (pink) erreichen (Dan Lunt)
— Planet Erde: Der Verkehrssektor war im letzten Jahrzehnt für 10 Prozent der durch den Menschen verursachten globalen Erwärmung verantwortlich. Ganz oben auf der Liste der Schadstoffe steht Kohlendioxid (CO2), gefolgt von troposphärischem Ozon (O3). Forschern am Zentrum für internationale Klima- und Umweltforschung in Oslo (Cicero) zufolge wird der Abgasausstoß im Straßenverkehr die globale Erwärmung in den kommenden 40 Jahren um das drei- oder vierfache in die Höhe treiben (cordis) —
— Planet Erde: Die globalen Temperaturen reagieren womöglich noch empfindlicher auf atmosphärisches Kohlendioxid als bislang vermutet. Langfristig betrachtet könnte der Treibhauseffekt wegen der Rückkopplungseffekte um 30 bis 50 Prozent stärker ausfallen, kalkulieren die Forscher um Daniel Lunt von der University of Bristol anhand ihrer Simulationen (spektrumdirekt) —






















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