Finsterer Blue Moon an Silvester
Das internationale Jahr der Astronomie endet mit einem lautlosen Paukenschlag. Zum ersten Mal seit dem Jahr der Deutschen Wiedervereinigung ist an Silvester Vollmond – und noch dazu mit einer teilweisen Verfinsterung durch den Erdschatten!

Die Bezeichnung Blue Moon ist nur sprichwörtlich zu verstehen – in dieser Darstellung hat ein Bildbearbeitungsprogramm nachgeholfen (NASA / «Universum»)
Der Begriff Blue Moon hat freilich nichts mit einer tatsächlichen Färbung des Erdtrabanten zu tun. Zu den Zeiten William Shakespeares gab es in England die Redewendung “once in a Blue Moon”, die besagt, ein Ereignis sei so selten oder unwahrscheinlich, dass es nur eintritt, wenn der Mond blau gefärbt ist. Eine deutsche Entsprechung wäre, “wenn Weihnachten und Ostern zusammenfallen”.
Astronomische Bedeutung erhielt die Bezeichnung erst Jahrhunderte später, die Definitionen waren allerdings uneinheitlich. Eine besagt, ein Blue Moon wäre der vierte Vollmond einer Jahreszeit. Dies bedingt natürlich die Verwendung des Gregorianischen Kalenders, der die Monate mit 28 bis 31 Tagen festlegt, um die Bahn der Erde um die Sonne in 365 Tagen zu reproduzieren. Dadurch sind die Monate jedoch – bis auf den Februar – länger als der Umlauf des Monds um die Erde, dieser dauert 29,5 Tage. Dadurch ist es im westlichen Kalender möglich, dass in einem Monat zweimal Vollmond auftritt, am Anfang und am Ende.

Nur wenn die Stellung der geneigten Mondbahn und die Position des Erdtrabanten gleichzeitig stimmen, kann eine Finsternis auftreten (Ill.: Sagredo / NASA)
Durch einen Artikel in der US-amerikanischen Astronomiezeitschrift «Sky & Telescope» 1946 kam fälschlicherweise eine Fehlinterpretation des Begriffs auf, die allerdings so einfach war, dass sie sich einbürgerte: “Ein Blue Moon ist der zweite Vollmond innerhalb eines Monats.”

Die Finsternis an Silvester ist nicht leicht zu erkennen – nur der Mondsüdpol tritt in den Kernschatten der Erde ein, die Umbra (Ill.: F. Espenak, NASA)
Die Chancen dafür sind gar nicht so schlecht wie in der ursprünglichen Bedeutung – ein Blue Moon ereignet sich im Schnitt alle 2,7 Jahre und ist damit erheblich seltener als Finsternisse. Diese finden – ebenfalls bei Vollmond – etwa alle halbe Jahr statt, wenn die Umlaufbahn des Monds gerade so geneigt sind, dass der Erdtrabant, von der Sonne betrachtet, recht genau hinter der Erde steht. Ist das annähernd der Fall, läuft der Trabant durch den Halbschatten der Erde, die Penumbra. Nur wenn er dabei genau in der Ebene der Ekliptik steht, tritt er in den Kernschatten der Erde ein und er wird – bis auf einen rostroten Restschein – völlig verdunkelt, eine totale Mondfinsternis.
Beide Ereignisse zusammen sind freilich seltener, als sie alleine auftreten: Die letzte Mondfinsternis an einem Blue Moon fand am 31. Januar 1999 statt.

Der Eintritt in den Kernschatten (U1) erfolgt am Abend des 31.12. um 19.51 Uhr, der Austritt endet um 20.53 Uhr (U4). Der Mond steht schräg über dem Osthorizont, der Mondsüdpol ist rechts unten (Ill.: calsky.de)
Die diesjährige «Silvester-Mofi» ist nur für geübte Augen zu entdecken, der Anteil des Erdtrabanten, der durch den Kernschatten läuft, beschränkt sich nur auf den Mondsüdpol. Die größte Bedeckung ist um 20.22 Uhr, der Mond steht dann über dem Osthorizont. Das gesamte Ereignis beginnt um 18.15 Uhr und endet um 22.30 Uhr.
Der nächste Blue Moon ist dann erst wieder im August 2012, die nächste totale Mondfinsternis für Mitteleuropa steht ein Jahr früher, am 15. Juni 2011 an.





















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